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Trennung auf Weltreise: Spießroutenlauf durch die Welt

Blitz über Kuata auf Fiji bei Nacht

Gewitter über Fiji bei Nacht

Ein Sprichwort sagt, auf Reisen lernt man sich als Paar richtig kennen. Wir sind als Paar gestartet und haben im Vorfeld sogar darüber gesprochen was wir machen, sollten wir uns auf Weltreise trennen. Schließlich kann so was passieren, wenn du 24 Stunden am Tag zusammen bist. Doch am Ende weißt du nie wie eine Trennung endet. Alles wäre einfach, hätten wir uns im Guten getrennt. Haben wir aber nicht. Also was machst du frisch getrennt mit einer gemeinsam begonnen Weltreise? Abbrechen oder weiterreisen?

Abgetaucht – Wunden heilen nur, wenn man aufhört daran zu pullen

Zwei Jahre Vorbereitung für eine gemeinsame Reise und dann kommt das Leben, schaut sich deinen Plan an und fällt lachend vom Stuhl. „Lass mal“, schreit es dir höhnisch ins Gesicht. „Ich hab da was anderes für dich vorbereitet.“ Ratlos stehst du da und überlegst wie es jetzt weiter gehen soll. Ticket nach Hause? Reise fortsetzen? Doch wenn du weiterreist, dann möchtest du deinem Ex in nächster Zeit nicht über den Weg laufen. Denn mit mal wird der Mensch, den du am meisten geliebt hast, der den du am meisten hasst. So ging es mir zumindest. Um also eine Trennung auf Reisen zu verarbeiten, brauchst du Abstand. Heilung kann nur dort stattfinden, wo Distanz besteht, man sich nicht mehr sieht, nicht mehr mit einander redet. Leider ist das in Zeiten der Digitalisierung gar nicht so einfach. Ständig kannst du in den sozialen Netzwerken verfolgen was der andere gerade macht. Das ist für die eigene Psyche purer Stress. Für den Heilungsprozess braucht es Ruhe, vor allem im Kopf.

Digitaler Selbstmord

Das war früher weitaus einfacher, denn da ist man seiner Wege gegangen. Hat sich nicht mehr gesehen, nichts mehr gehört, konnte seine Wunden lecken und die innere Mitte wieder finden. Um das in der heutigen Zeit hin zu bekommen, hilft meistens nur der radikale Schnitt. Für mich hieß das, meine Exfreund in allen sozialen Netzwerken zu blockieren, damit meine Gedanken zur Ruhe kommen können. Jetzt mögen die einen sagen, das ist doch Ghosting, also Neudeutsch für, den vollständigen Kontakt- und Kommunikationsabbruch ohne Vorwarnung. Jetzt mögen die anderen sagen, das kannst du doch nicht machen. Ich glaube schlussendlich entscheidet jeder selbst was für ihn am Besten ist. Und wenn das bedeutet vom Radar zu verschwinden, dann ist das vollkommen ok. Wer mich dafür verurteilen möchte, kann das gerne tun. Doch bevor ihr mir den Stempel aufdrückt, vergesst nicht: Eine Geschichte hat immer zwei Seiten.

Gedankenspiele

Jetzt habe ich dich überall blockiert und trotzdem läuft meine innere Nici permanent Amok, da wir die gleiche Route haben. Die Flüge wurde bis März 2018 gebucht. Das ist der pure Stress für meine Psyche, meinen Körper. Mein Kiefer ist verspannt, die Nerven liegen blank und die Ticks kommen zurück. Ich komme mir wie die Tourette-Nici vor, habe Angst dir über den Weg zu laufen, dich zu sehen, denn das schaffe ich gerade nicht. Also hilft das blockieren nur halb so gut wie gedacht. Und so überlege ich diese Reise abzubrechen. Mehr als einmal. Meine engsten Freunde und Familie raten mir es nicht zu tun. Sie erinnern mich daran warum ich diese Reise angetreten bin. Sie ist mein Traum. Doch der fühlt sich gerade mehr wie ein Alptraum an.

Freundinnen empfehlen mir meine Flüge umzubuchen, die Route zu wechseln. Das ist allerdings mit Kosten verbunden, die ich nicht auf mich nehmen will. Ich sehe nicht ein, dass ich Zusatzkosten tragen soll, während du dir eine schöne Zeit machst. Also reise ich auf der gleichen Route weiter, komme heulend an jedem Flughafen an, bin gestresst und genieße nicht. Du wirst mein Poltergeist. Verfolgst mich. Auch in meinen Träumen. Ich sehe dich, überall, obwohl du es nicht bist. Jedes Mal, wenn ich den Ort wechsle und in ein neues Hostel einchecke, steigt mein Adrenalinspiegel. „Hoffentlich ist er nicht da“, denke ich. Schon mit dem Betreten des Hostels suchen meine Augen den Raum ab. Keiner da. Durchatmen. Das erste Mal. Ich brauche in der Regel eine gute halbe Stunde bis Stunde bis sich mein Stresslevel wieder gesenkt hat. Doch die Entspannung hält nur bis zum nächsten Tag. Denn dann kommen neue Gäste. Ich bin kein gläubiger Mensch, aber ich bete jeden Tag. Nur um dich nicht zu sehen.

Irgendwann reicht das nicht mehr. Immer wieder liegen die Nerven blank, eine Panikattacke überkommt mich und ich schreibe wieder einer Freundin. Jede von ihnen rät mir erneut die Flüge umzubuchen. Ich schreibe also unserer Reiseberaterin. Fragen kann man ja mal. Der Preis ist ein Witz – ich buche um. Es gibt keine gemeinsamen Flüge mehr. Erleichterung. Und doch ist die Route weiter gleich. Am meisten Angst habe ich vor Fiji. Die Inseln sind so klein, man könnte sich nicht mal aus dem Weg gehen. Und es gibt auf der Inselstrecke nur ein Boot das fährt. Ich hab keine Wahl und geh auf Risiko. Noch mal würde ich es nicht so machen, denn mittlerweile sieht man mir meinen panischen Blick an sobald ich einen Raum betrete. „Are you ok? Everything alright?“ werden die Standardfragen. Ich bejahe sie, obwohl nichts in Ordnung ist. Rein gar nichts.

Du kannst mir alles nehmen, aber nicht meine Träume

Jetzt könnte man sich denken, flieg doch nach Hause. Klar kann ich machen, sehe ich aber definitiv nicht ein. Ich hab mir schon viel nehmen lassen, meine Würde, meine Selbstachtung. Irgendwann ist es genug. Du kannst mir alles nehmen, aber nicht meine Träume. Darum reise ich weiter, auch wenn es sich manchmal mehr wie eine Flucht als eine Reise anfühlt. Im Spießroutenlauf um die Welt so zusagen. Rückblickend würde ich einiges anders machen, würde direkt auf Freunde hören, die Flüge umbuchen und die Route ändern. Und zwar so, dass man nicht mehr gleichzeitig im gleichen Land ist. Sollten Länder neben einander liegen, wie Fiji und Neuseeland, kann man diese einfach tauschen oder direkt von der Liste streichen.

Buch um!

So habe ich es mit L.A. gemacht. Die Stadt war mir nicht nur zu teuer, sondern es brachte ein bisschen mehr Ruhe in den Kopf einfach mal zu verzichtet. Denn in Los Angeles gibt es nur wenige Ecken, die schön zum Verweilen sind. Da sind Burbank, Hathaway Hills und Echo Park, aber auch Santa Monica und Venice Beach. Und gerade letztere sind meine Favoriten, da ich die Strandviertel schon 2014 auf meinem Kalifornien-Roadtrip kennen lernen durfte. Den Strand vor der Nase, dem Wasser ganz nah und einen Katzensprung entfernt ist der Santa Monica Peer. Doch alles liegt hier so dicht bei einander, dass man sich problemlos über den Weg laufen könnte. Und auch wenn ich in der Zwischenzeit eine kostenfreie Übernachtung über Couch Surfing gefunden hatte, strich ich L.A. komplett. Das gleiche machte ich auch mit Australien. Zu teuer, zu stressig, gestrichen, umgebucht.

Spare bei den Flügen nie am falschen Ende

Das erste Mal habe ich das Gefühl, dass es sich umso mehr auszahlt mit einem Reisebüro zusammen zu arbeiten. Denn hätten wir alle Flüge eigenständig über Vergleichsportale gebucht, wäre das nicht möglich gewesen, außer man bucht eine Umbuchungsschutzversicherung mit dazu. Aber welcher Reisende mit kleinem Budget macht das schon. Dabei wäre die Versicherung nicht nur im außergewöhnlichen Fall einer Trennung hilfreich. Wie viele Reisende hab ich getroffen bei denen der Flug bereits gebucht war und sich dann spontan die Pläne änderten.

Entspannter Fliegen mit Versicherung

Dabei ist die Versicherung nicht mal teuer. Auf manchen Portalen wird sie für gerade einmal 1,49 Euro pro Monat im ersten Jahr angeboten, bei anderen wie Travelstart kannst du direkt zwischen einer flexiblen oder nichterstattungsfähigen Flugbuchung wählen. Kostenunterschied: 3,30 Euro. Das ist geschenkt, wenn man sich überlegt wie viel Aufwand es ist, sich mit irgendwas krankschreiben zulassen, nur um dann das Geld von der Versicherung zurück zu bekommen. Dafür musst du meist kostenpflichtig zum Arzt, sitzt im Wartezimmer rum und erklärst dann warum du jetzt „krank“ bist. Anschließend hast du den bürokratischen Aufwand alles bei der Versicherung einzureichen. Immer in der Hoffnung, dass sie deine Krankheit für reiseuntauglich erklären und dein Geld zurückerstatten. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist das absolut nicht empfehlenswert.

Ich plane nicht, ich reise

Die Alternative ist natürlich im Vorfeld so wenige Flüge wie möglich zu buchen. Wer weiß schon wie gut es einem in einem Land gefällt. Und bei einem Jahr auf Reise ohne die Länder vorher zu kennen, lässt sich das schlecht einschätzen. Die Erfahrung hatte ich in Neuseeland gemacht, denn ich plante die Länder nicht im Voraus. Ich entschiede vor Ort wo es mich hintrieb und lebte von den Empfehlungen anderer Reisender. So habe ich unterwegs schon die schönsten, untouristischsten Orte entdeckt.

Mach deine Reise draus

Aber Neuseeland ist anders. Herr Gott ist das anstrengend spontan eine Reise zu machen. Drei Tage saß ich in Christchurch und hab geplant, gemacht, getan. Mindestens drei Mal habe ich die Route auf den Kopf gestellt, denn der Süden um Queenstown ist so beliebt, dass es kurzfristig keine Hostels mehr gibt. Also wollte ich die Schleife andersrum über Picton, Nelson und dann die Westküste runter bis Queenstown machen. Alles klang logisch, sogar den FlexiPass mit Intercity hatte ich gebucht. Und dann wurde 24 Stunden vor Abreise der Bus nach Picton storniert. Begründung: Fehlanzeige. Erreichbarkeit des Service Centers: Null. Antwortrate auf Emails: Keine. Lust auf Neuseeland: Komplett verschwunden. Also stornierte ich alles, flog spontan nach Bali und kam das erste Mal auf meiner Weltreise an.

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