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Alleine oder zu zweit reisen?

Mit wem gehst du auf Reise? In erster Linie mit der selbst. Denn nur, wenn du mit dir im Reinen bist, kannst du deine Weltreise in vollen Zügen genießen. Das ist zumindest meine Erkenntnis nachdem ich mich auf dieser Reise von meinem Exfreund getrennt habe. Und trotz dieser Einsicht solltest du dich bereits vor der Weltreise mit der Frage beschäftigen „Reise ich alleine oder zu zweit?“. Ich habe es auch getan, nicht auf mein Bauchgefühl gehört und war nach der Trennung mehr als einmal bereit diese Reise abzubrechen.

Geh nicht mit altem Ballast auf Reise

Damit das Thema Trennung auf Weltreise gar nicht erst bei dir aufkommt, setzt dich im Vorfeld damit auseinander, ob du alleine oder mit deinem Partner reisen möchtest. Das bedeutet im ersten Schritt nicht, dass ihr euch trennen müsst. Ich habe Reisende getroffen, die ohne ihren Partner losgezogen sind. Der eine hat sich seinen Traum erfüllt, der andere ist zu Hause geblieben, zwischendurch für einen Urlaub zu Besuch gekommen und der Beziehung hat es auch nicht geschadet.

Solltet ihr die Reise jedoch gemeinsam geplant haben und im Vorfeld feststellen, dass einer extrem stark zweifelt, dann sprecht darüber. Vielleicht könnt ihr die Bedenken ausräumen, vielleicht stellt ihr aber auch fest, dass diese Beziehung nicht mehr läuft und es sinnvoller ist sich vor Reiseantritt zu trennen. Ich weiß, dass kling hart, doch unterwegs sind mir auch diese Menschen begegnet. Sie haben vor der Reise ihre Beziehung beendet, weil einer kalte Füße bekommen hat. Schlussendlich ist es die beste Entscheidung für beide Seiten, denn so kannst du vor Reiseantritt noch ein wenig deine Wunden lecken und Abstand bekommen.

Rückblickend hätte ich es genauso machen sollen. Es gab so viele Anzeichen und Aktionen, die förmlich danach geschrien haben „Trenn dich von mir!“. Geblieben bin ich trotzdem und habe damit Tür und Tor für einen beschissenen Reisestart geöffnet. Auch wenn es drastisch klingt, doch es bringt nichts mit jemandem auf Reise zu gehen, der mit sich selbst nicht im Reinen ist. Es führt nur dazu, dass eure Weltreise ab Tag 2 scheiße wird, du von einem Beziehungsdrama ins nächste hüpfst, das Abenteuer nicht genießen kannst und alles immer und immer wieder hinterfragt wird.

Abstand in einer Beziehung ist wichtig

Das erste Mal kamen bei meinem Exfreund sechs Wochen vor Abflug Zweifel auf, ob es noch sein Traum sei und er auf Reise gehen wolle. Mit seinen Gedanken konfrontiert, saß ich da und fragte mich, was ich machen soll. Auch dank Gesprächen mit sehr guten Freunden wurde für mich schnell klar, dass ich diese Reise alleine antreten würde. Die ersten Erfahrungen mit Soloreisen hatte ich in dem Jahr bereits auf verlängerten Wochenenden in Dresden und Sofia gesammelt.

Diese kurzen Trips sind nicht nur eine gute Vorbereitung für eine längere Einzelreise, sondern grundsätzlich wichtig für eine gesunde Beziehung. Jeder sollte für sich als Individuum bestehen bleiben und Dinge ohne den anderen unternehmen können. Denn machen wir uns nichts vor, damit bleibt die Beziehung spannend und ihr habt euch als Paar auch noch etwas zu erzählen. Und das habt ihr irgendwann auf so einer Reise nicht mehr, wenn ihr 24 Stunden am Tag aufeinander hockt. Da kann es beleben Touren getrennt zu machen, weil der eine unbedingt ein Land oder eine Stadt länger erkunden möchte als der andere. Ob die getrennten Aktivitäten nur ein paar Stunden am Tag, einige Wochen oder vielleicht auch ein paar Monate umfassen, ist jedem selbst überlassen. Wir hatten vor Reiseantritt ebenfalls darüber gesprochen und festgestellt, dass es gar keine so schlechte Idee sei. Genau dann ist es eben hilfreich, wenn du schon mal alleine gereist bist und Erfahrungen gesammelt hast, um zu wissen was dir beim Alleinreisen gut und eben nicht gut tut.

Soloreisefehler – Alleine Essen ist scheiße

Ich konnte damals vor allem in Sofia herausfinden was mir auf der Soloreise gut tut und was nicht. Den größten Fehler den ich gemacht habe, war über Airbnb ein privates Zimmer zu buchen. In einem privaten Zimmer lernst du keine Leute kennen mit denen du etwas unternehmen kannst. Natürlich bist du bei einem Einheimischen, der dir die Stadt durch seinen Augen fernab der Touristenpfade zeigen kann. Doch vergiss über den Lokalpatriotismus nicht, dass Einheimische nicht im Urlaub sind und einem normalen Arbeitstag nachgehen. Sie arbeiten tagsüber und kommen abends genauso gestresst oder kaputt nach Hause wie du, wenn du in Deutschland wärst.

Für mich war daher klar, beim nächsten Mal buche ich ein Hostel. Da die Situation in Sofia war wie sie war, beschloss ich an einer Free Walking Tour und einer Local Food Tour teilzunehmen. Der Vorteil bei diesen Aktivitäten ist, dass du nicht nur etwas über die Stadt, sondern auch Leute kennen lernst. Mit denen kannst du anschließend noch etwas Essen gehen und sitzt beim Mittag oder Abendbrot nicht alleine über deinem Handy. Denn sind wir mal ehrlich - alleine Essen ist scheiße. Zumal es oft so ist, dass dein Speiseplan ähnlich aussieht, da niemand zum teilen da ist. Und riesige Menüs bestellst du dir nicht, weil du weißt, dass du diese sowieso nicht schaffst. Anders ist es, wenn jemand dabei ist. Dann drehst du bei der Bestellung durch und probierst die Karte rauf und runter. Denn, du kannst ja teilen.

Zu zweit ist man weniger alleine auf Reise

Teilen kannst du bei einer gemeinsamen Reise übrigens auch die Erlebnisse. So schön es auch sein mag, sich seinen Tag und seine Touren frei zu gestalten, umso schöner ist es, Momente mit jemandem zusammen zu erleben. Die Erfahrung habe ich gerade wieder gemacht nachdem mich meine Familie für zwei Wochen in Thailand besuchte.

Es tut gut von Menschen umgeben zu sein, mit denen du etwas unternehmen kannst. Ob beim Schnorcheln im kristallklaren Wasser, Entspannen am Strand, Karten spielen, Feiern gehen oder sich Sehenswürdigkeiten bis zum umfallen anschauen. Es macht so viel mehr Spaß Sachen gemeinsam zu erleben. Insbesondere, wenn unvorhergesehene Dinge passieren und die Einheimischen dich beispielsweise versuchen abzuzocken. So erging es uns am Großen Palast in Thailand. Wir hatten Glück, denn es gab immer ein Gehirn, das mitdachte und die Tour hinterfragte. Und obwohl wir für einen Moment unsere gute Laune verloren haben, konnten wir am Ende doch wieder drüber lachen und haben uns gemeinsam ins nächste Abenteuer gestürzt.

Was ich dir ebenfalls empfehle, denn nur weil du deine Reise alleine beginnst, bedeutet das nicht, dass du nicht jemanden im Hostel kennen lernst, mit dem du ein Stück zusammen die Welt erkundest. Vielleicht unternehmt ihr erst etwas für ein Wochenende in der Stadt, in der ihr euch trefft und stellt fest, dass ihr gemeinsam durchs Land reisen wollt. Solltest du jetzt denken, ich hab aber meinen gesetzten Reiseplan, dann gebe ich dir zum Schluss den wichtigsten Soloreisetipp überhaupt. Der einzige Mensch, der deinen Plan in Stein gemeißelt hat, bist du selbst. Und wenn dieser nicht mehr zu deiner aktuellen Reise passt, dann schmeiß den verdammten Stein weg. Der ist nur Ballast. Das Einzige was zählt, ist, dass du Spaß auf deiner Reise hast und glücklich bist.