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Wie lange reisen?

Da hast du dich endlich dazu entschieden eine Weltreise zu machen und nach langem Hin und Her deine Top-10-Liste der Reiseländer zusammengestellt, schon kommt die nächste Baustelle. Die Frage nach der Reisedauer. Sollen es jetzt drei, sieben oder elf Monate werden. Oder vielleicht doch irgendwas dazwischen. Eventuell machst du auch mehr als zwölf Monate.

Um ehrlich zu sein, die Entscheidung wie lange man reist, hängt von zahlreichen Faktoren ab. Da ist zum einen das Budget, zum anderen spielt die Wahl des Pausierens eine Rolle. Also ob du dich entscheidest einen Sabbatical zu machen, in ein ruhendes Arbeitsverhältnis zu gehen oder doch komplett den Job kündigst. Außerdem ist es von deiner Reiseroute abhängig und welche Länder du alle sehen willst. Zu guter Letzt darf man auch nicht unterschätzen was man sich selbst zu traut.

Am Anfang bist du dir sicher und dann kommt der Zweifel

Ich muss sagen, dass für mich immer fest stand länger auf Reise zu gehen. Also mindestens elf bis zwölf Monate. Ein kurzer Zeitraum von drei bis sechs Monaten war für mich unvorstellbar, denn ich wollte nicht schon wieder gehen bevor ich überhaupt richtig angekommen bin. Verrückter Weise überkam mich zwischendrin immer wieder der Zweifel. Ich hatte gerade einen neuen Job angefangen und war in einem Team, in dem ich mich wohl fühlte. Da sagt dann schon mal eine kleine, innere Stimme, mach kürzer, mach weniger Länder, setzt auf Sicherheit. Nach unzähligen Gesprächen und Gedankenspielen setze ich jetzt erst mal auf mich und folge meinem Traum. Vielleicht hört dann auch endlich das Gefühl nach einem Urlaub länger bleiben zu wollen auf. Es verfolgt mich seit Jahren, zuletzt in Edinburgh. Ich saß in der Tram Richtung Flughafen und dachte nur: „Bleib, steig aus, buch um!“ Schlussendlich bin ich zurück geflogen mit dem Empfinden, dass ich hätte bleiben sollen. Genau diese Momente zeigen mir, dass ich länger auf Weltreise muss. Einmal aus dem Hamsterrad treten, Abstand gewinnen und Gedanken neu ordnen. Das kann man natürlich auch in einer kürzeren Zeit machen, doch ich merke seit Jahren, ich brauch mal eine Pause. Wie lange du pausierst liegt bei dir. Damit du mit deiner Entscheidungsfindung nicht alleine bist, hab ich Dir meine Gedanken dazu zusammengefasst.

Kurz und knapp – die unterschiedliche Reisedauer und ihre Vorteile

1. Bis zu 6 Monate – Für Sicherheitsbewusste

3 bis 6 Reisemonate: Eine Freundin von mir war im letzten Jahr für drei Monate unterwegs. Sie hat sich ausschließlich auf Südamerika konzentriert. Ich glaube, dieser kurze Reisezeitraum hat zwei große Vorteile, zum einen kann man sich auf eine bestimmte Region in der Welt konzentrieren und diese intensiver erleben. Zum anderen bieten viele Arbeitgeber mittlerweile von sich aus Sabbatical-Programme mit einem entsprechenden Zeitraum an und erleichtern einem damit die Entscheidung. Die Frage was man mit seinem Job macht, kommt gar nicht auf.

2. Bis zu einem Jahr – Für Alles-Woller

7 bis 12 Reisemonate: Jeder der mehr als einen Kontinent sehen will, sollte auch eine längere Reisezeit einplanen. Schlicht damit du die Länder und Orte auch bewusst wahrnehmen kannst. Ansonsten bist du wie die Japaner unterwegs. Aussteigen, Foto machen, einsteigen, weiterfahren und von vorn. Wenn man natürlich weiß, dass diese Nation nur 14 Tage Urlaub im Jahr hat, versteht man auch warum sie sich so verhalten. Aber das hat für mich nichts mehr mit Entspannung zu tun. Und genau das soll eine Reise doch sein. Ein weitere Vorteil von weniger als 12 Monaten Reisedauer ist, das die Auszeit noch mit einem ruhenden Arbeitsverhältnis abgedeckt werden kann.

3. Mehr als ein Jahr – Für Weltenbummler

Mehr als 12 Reisemonate: Das Wichtigste zuerst. Bei dieser Wahl der Reisedauer gibt es nur eine Möglichkeit – Job kündigen. Alles andere macht einerseits die meisten Arbeitgeber nicht mit und andererseits stellt es dich beim Arbeitsamt schlecht. Doch dazu an anderer Stelle mehr. Jedem, der also mehr als 12 Monate reist, bietet sich die Chance extrem bewusst zu Reisen. Ich war beeindruckt von der Geschichte von Gwen und Patrick von Weitumdiewelt.de, die dieses Jahr auch einen Kinofilm dazu raus gebracht haben. Ansporn war der romantische Gedanke diese Reise ohne Flugzeug, mit kleinem Budget und für zwei bis drei Jahren Zeit anzutreten. Sie haben sich Zeit genommen, die regionalen Unterschiede bewusst erlebt und somit Ländergrenzen verschwimmen lassen. Ich finde ihre Geschichte immer noch beeindruckend. Trotzdem wissen Tore und Ich, dass diese Art des Reisens nicht unser Stil ist. Wir sind keine Zelter. Mal drei Nächte auf einem Festival sind kein Ding, aber dann darf es auch wieder ein richtiges Bett und eine richtige Dusche sein. Einige Sachen habe ich aus Ihrer Geschichte trotzdem mitgenommen. Erstens stelle ich grad die Häufigkeit unserer Flüge in Frage und zweitens denke ich mehr über Couchsurfen als Art der Unterkunft nach. Eine Möglichkeit mehr mit Einheimischen in Kontakt zu kommen und Geld zu sparen. Wir können also nur gewinnen.

Das Budget hängt von deinem Lebensstil ab – nicht der Reisedauer

Jetzt mag der ein oder andere ungeachtet dessen denken, dass eine längere Pause auch mehr Budget braucht. Doch das muss nicht unbedingt der Fall sein. Wir haben in der Zeit unzählige Blogs zum Thema gelesen und noch mehr Meinungen gefunden. Umso länger du reist, umso mehr verteilst du die Erlebnisse und musst nicht alles mit Mal erleben. Zudem wird sich dein anfänglich gesetztes Budget definitiv verändert. Wir waren Anfangs bei 10.000 Euro pro Person, hatten zwischenzeitlich ein Kostenhoch von fast 20.000 Euro pro Person erreicht und haben uns jetzt auf 13.000 Euro eingependelt. Am Ende aber kann man das Geld auch in kürzerer Zeit ausgeben. Es kommt halt auf den eigenen Lebensstandard an. Und die Tatsache, dass man keinen Urlaub macht.

Urlaub ist wie eine durchzechte Partynacht, Reisen wie ein gemütlicher Weinabend

Eine Weltreise ist eben kein Urlaub, sondern ein neuer Lebensabschnitt für die kommenden Monate. Uns ist klar, dass wir einen Alltag haben werden, Tage an denen wir Wäsche machen oder am Blog arbeiten, Momente in den es was zu erleben gibt oder wir einfach mal faul im Bett liegt und einen Film schaut. So wie wir es zu Hause in Deutschland auch tun würden, denn ich glaube kein Mensch braucht nur Abenteuer. Mich eingeschlossen, denke ich ein wenig Langeweile kann auch auf einer Weltreise in Ordnung sein. Wie will man sonst die ganzen Eindrücke verarbeiten. Die Erfahrung hab ich auf meinem Roadtrip durch Kalifornien gemacht. In 14 Tagen sind wir 1613 Meilen oder besser 2595 Kilometer gefahren und das Erinnerungsfoto auf dem Handy hat eine ganz andere Bedeutung bekommen. Es gab Tage an denen ich mich nicht mehr erinnern konnte, wo ich drei Tage vorher war. Für die Weltreise will ich daraus lernen, mehr Zeit und manchmal weniger Touren und Trips einplanen. Diesmal möchte ich mich einfach gerne auch am nächsten Morgen noch daran erinnern können in welcher Stadt ich aufwache und was ich erlebt habe.