Machen oder Nicht machen?
Weltreise machen oder nicht machen, das ist hier die Frage. Auch wenn es Menschen gibt, die sich spontan dazu entscheiden ihren Job aufzugeben, die Wohnung zu kündigen, um dann die Sachen zu packen und los zu fahren, ist das doch nicht der gängige Weg. In der Regel braucht es Zeit und gefühlt den richtigen Zeitpunkt für den Entschluss auf Weltreise zu gehen.
Was erwartet Dich?
1. Das Leben ist wie eine Achterbahnfahrt, du steigst aus und sagst – Noch mal!
Bei mir ist es ein Lebenstraum und der besteht seitdem ich mein Abi beendet habe. Da ich mittlerweile 32 bin, kann man sagen, das Thema Weltreise steht schon eine Weile im Raum. In der Zwischenzeit habe ich mich mehr an die gesellschaftlichen Normen gehalten, zwei Studiengänge absolviert und anschließend sieben Jahre gearbeitet. Fehlt eigentlich nur noch Heiraten, Kinder kriegen und dann ist das Klischee auch schon perfekt.
Jetzt ist es für mich mit den Klischees so eine Sache, denn ich erfülle sie so ungern. Immer wenn meine Umwelt denkt, jetzt ist sie auf dem richtigen Weg, hol ich den Sextanten raus und ändere den Kurs. Warum? Ganz einfach, ich hab mir irgendwann mit Ende 20 geschworen, wenn sich Gelegenheiten ergeben, packe ich sie beim Schopfe. Ich möchte mit 80 Jahren nicht im Schaukelstuhl sitzen, zurück auf mein Leben blicken und denken – hätte ich mal. Mein achtzigjähriges Ich soll später mal sagen: „Geiles Leben, noch mal!“ Dieses Gedankenspiel hilft immer. Jedes Mal wenn der Zweifel kommt.
2. Irgendwann ist, mach Ich später, zu spät
Jetzt mag manch einer denken, kann ich später noch machen, ich hab noch Zeit. Ich glaube nicht. Du hast keine Zeit. Schneller als du denkst sind 70 Jahre rum und dann schaust du zurück. Es gibt viele alte Menschen, die auf ihr Leben zurück blicken und erkennen, dass sie Dinge anders hätten machen sollen. Die australische Autorin Bronnie Ware hat darüber ein Buch geschrieben – 5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen. Ob das Buch gut oder schlecht ist, will ich nicht beurteilen. Ich bin überzeugt, jeder sollte an solche Binsenweisheiten hin und wieder erinnert werden. Denn genau diese Banalitäten des Lebens vergessen wir schnell beim Laufen im Hamsterrad.
Letztes Wochenende saß ich mit meiner Oma zusammen und unser Gespräch hat mir einmal mehr bestätigt, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe. Ich erzählte ihr von unserer Reiseroute und bei zwei der Länder kamen sie ins Träumen. „Da wollte ich auch immer mal hin! Das hätte ich mir gerne mal angeschaut,“ waren ihre Worte. „Doch jetzt mit Mitte 70 geht das nicht mehr. Und schon gar nicht mit der Krankheit,“ schloss sie ab. Und genau das ist der Punkt. Im Rentenalter siehst du Dinge differenzierter, möchtest anders reisen, solltest noch die körperlich Fitness dafür besitzen oder musst es erst mal erreichen.
3. Ich wünschte ich hätte weniger gearbeitet und das Leben mehr genossen
Ich weiß der letzte Teil klingt hart. In unsere Gesellschaft wird noch immer viel zu oft hinter verschlossenen Türen über das Sterben gesprochen. Warum sonst leben so viele Menschen als hätten sie unbegrenzt Zeit. Allein auf dem Weg bis zur Rente kann viel passieren. Ich hab bis zur Rente noch 35 Jahre Zeit und die dürfen gerne sinnvoll genutzt werden.
Hinzukommt die Erkenntnis, wenn mir in der Zeit genauso viel zustößt wie bisher, na dann gute Nacht Marie. Ich bin ein klassisches Hiob-Kind. Irgendwas ist immer. Zwei Fahrradunfälle und ein Fußgängerunfall mit Autobeteiligung reichen. Ich gebe zu, teils eigen, teils fremd verschuldet. Am Ende bin ich jedes Mal mit ein paar blauen Flecken, Schürfwunden und Prellungen davon gekommen. Hätte auch anders ausgehen können. Seitdem trage ich Fahrradhelm.
Wie kam es dazu? Rückblickend betrachtet, gab es jedes Mal den gleichen Grund. Unzufriedenheit auf der Arbeit. In Gedanken über die Herausforderungen im Job habe ich mich nicht auf das wesentliche konzentriert und bähm! Unfall. Das sollte schon zu denken geben, gerade über den gewählten Beruf. Ob du dich dann für eine Auszeit oder erst mal einen Jobwechsel entscheidest, liegt bei dir.
3.1 Der falsche Chef – Wenn das Management nicht stimmt
Manchmal sitzt du in deinem Job, liebst deine Aufgabe, dein Team und die Kunden sind auch handhabbar. Einziger Haken, die Chemie mit dem Chef bzw. den Chefs stimmt nicht. Die Frage ist immer, kannst du Probleme offen ansprechen und seid ihr bereit an den Differenzen zu arbeiten. Wenn alles nicht zutrifft, solltest du dir mittelfristig überlegen die Abteilung oder den Job zu wechseln.
Solltest du dich dafür entscheiden, hast du zwei Optionen. Nahtloser Wechsel oder kurz mal Austreten und bestenfalls die Welt bereisen. Es muss nicht direkt ein Jahr sein, manchmal reichen auch drei Monate. Ein Augenblick, der deine ganze Wahrnehmung verändert, deine Vorurteile minimiert und dich entspannter in den neuen Job gehen lässt.
3.2 Meine Kollegen und Ich – eine Hassliebe
Entspannt und vorurteilsfrei in einen neuen Job zu gehen ist wichtig. Reisen, fremde Kulturen und ungewohnte Situationen können dir dabei helfen, diesem Gefühl ein Stück näher zu kommen. Je öfter du in die Welt hinaus gehst, desto besser verstehst du die Gepflogenheiten der Menschen und erkennst einstige Unarten als Annehmlichkeiten an.
Das hilft dir im Job und im Umgang mit deinen neuen Kollegen ungemein. Selbige kannst du auch vorher schon mal kennen lernen. Bevor du direkt ins kalte Wasser springst, lege lieber einen Probearbeitstag ein. Schließlich verbringst du mit diesen Menschen mindestens 40 Stunden die Woche. Rechnet man den Schlaf einmal raus, dann siehst du deinen Partner ungefähr genauso lange in der Woche. Und für den hast du dich auch bewusst entschieden.
3.3 Den Job für die nächsten 20 Jahre? Auf gar keinen Fall!
Die besten Kollegen, den coolsten Chef, aber die Aufgabe bringt es irgendwie nicht. Ebenso zeigt sich die Erfüllung im Job auch daran mit welchem Elan du deiner Tätigkeit nachgehst. Natürlich hat jedes Arbeitsfeld auch seine Schattenseiten und es gibt Pflichten, die man nicht so gerne erledigt.
Solltest du aber das Gefühl haben, deine Aufgabe langweilt dich seit Jahren und jeglichem Handeln fehlt die Leidenschaft, dann denk über eine Veränderung nach. Jetzt kann das dazu führen, dass du da stehst und nicht weißt was du machen sollst. Ich kann nur sagen, finde es heraus. Entweder indem du auf eine Reise gehst oder einfach Hilfe annimmst. Karrierecoaching gibt es in jeder Stadt und wird sogar vom Arbeitsamt angeboten.
3.4 Ich lebe um zu arbeiten oder wie war das noch gleich
Gerade vor zwei Tagen habe ich erst wieder einen Artikel auf Businessinsider gelesen, in dem eine Studie erwähnt wurde, dass Millennials sich als „Arbeits-Märtyrer“ bezeichnen. In der Umfrage gaben 35 Prozent von ihnen an, sich unermüdlich für Ihren Job zu engagieren. Es ist schön seinen Job zu lieben. Das tue ich auch und stand gerade deshalb vor einem riesigen Dilemma. Als ich mit der Frage nach der Reisedauer auseinander gesetzt habe, waren mir 12 Monate mit mal einfach zu lang. Sobald das Thema bei uns aufkam, stand mir die Panik jedes Mal ins Gesicht geschrieben.
Ich war kurz davor die Reiselänge zu kürzen. Zum Glück hatte ich irgendwann doch noch eine Eingebung: „Betrachte das große Ganze. Dein Leben.“ Ich bin jetzt fasst 33. Bis zur Rente sind es noch 34 Jahre. Wenn ich in 12 Monaten zurück bin, sind es immer noch 33 Jahre. Gruselig. Das ist mein Leben von der Geburt bis heute. Das ist mein ganzes Leben noch mal. Dann allerdings ohne Kindheit, Schule und Scheiße-bauen als Teenager. Die kommenden 33 Jahre werden primär mit Arbeiten gefüllt sein. Als ich das erkannte, war arbeiten mit Mal nicht mehr so wichtig. Schließlich hab ich nach der Reise noch genug Zeit dafür.