Fotografieren in der Salzwüste von Uyuni in Bolivien

Was du als Fotografie-Anfänger auf typischen Touristentouren lernen kannst

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Ich fotografiere erst seit zwei Jahren und lerne ständig dazu. Mal mehr, mehr weniger aus den unterschiedlichsten Quellen. Was ich allerdings gerne von erfahreneren Fotografen gehört habe, ist: „Ich hab keine Lust so eine Standardtouristentour zu machen. Ich möchte mir Zeit für die Orte und meine Fotos nehmen.“ Ok, jedem das seine. Trotzdem denke ich, dass du gerade als Fotografie-Anfänger eine Menge auf solchen Touren lernen kannst. Das war zumindest meine Erkenntnis nachdem ich die Tour durch die Salar de Uyuni gemacht habe.

1. Großartige Landschaften kann man fotografisch relativ selten versauen

Richtig gelesen. Ich glaube das ist relativ unmöglich. Es gehört schon eine ganze Menge Dilettantismus dazu, um das hin zu bekommen. Ich habe in den letzten Jahren an einigen Anfängerkursen für Fotografie teilgenommen und dort unter anderem gelernt welche Regeln man befolgen sollte, damit das Foto definitiv gut wird. Vom goldenen Schnitt über die Zweidrittelregel bis zur Frosch- oder Vogelperspektive war alles dabei. Kann man sich dran halten oder nicht, doch wenn die Landschaft atemberaubend ist, dann wird das Foto gut. Alles weitere machen zum Schluss Lightroom oder Photoshop, wobei ich mich selbst nur auf Lightroom beschränke.

2. Du wirst trotzdem einen Haufen Fotoschrott produzieren

Leider kann auch Lightroom keine falsch gesetzten Schärfepunkte, extremen Überbelichtungen oder fehlenden Bildteile ersetzen. Wie viele Bilder habe ich aussortiert, weil die Schärfe nicht stimmte oder aufgrund der gewählten Linse nach der Horizontkorrektur einfach zu wenig Bild übrig war. Das passiert. Zudem hat es den Vorteil, dass du bei jedem Mal mehr darauf achtest diese Fehler zu vermeiden und deine Schwächen in der Fotografie ausmachst. Sobald ich einen erkannt habe, ist meine Lieblingsbeschäftigung Youtube-Tutorials zu dem Thema zu schauen. Die Zeit hab ich auf Reisen definitiv und da ich mir in jedem Land als erstes eine lokale SIM-Karte hole, geht das dann auch fast überall.

3. Hop-on, Hop-off: Schärfe dein Auge für das richtige Motiv

„Para!“, schrie ich unseren Fahrer an. Der hielt. Ich fiel mit der Kamera im Anschlag aus dem Jeep, kroch im feuchten Gras rum, Schnitt mir die Hände auf, den das Grün auf 4000 Metern Höhe sieht nur aus der Ferne weich aus, und machte meine Fotos. Für all das hatte ich nicht mal fünf Minuten, denn wir waren gerade aus dem ersten Nachtlager losgefahren und mussten eigentlich weiter. Ich stieg ins Auto zurück und glaube in diesem Moment wussten auch die anderen Teilnehmer der Tour, dass ich ein gewaltiges Ding am Laufen hab. Davon mal abgesehen, hat es sich trotzdem gelohnt, denn bei diesen Hop-on-Hop-off-Aufnahmen kannst du großartig dein Auge für spannende Motive schulen. Und das Schöne an der Digitalkamera ist: Sollten dir die Bilder nicht gefallen, kannst du sie ja wieder löschen.

4. Wenn das Motiv nicht stimmt, Kamera stecken lassen

Um an den Punkt zu kommen, dass ich einfach aus einem Jeep falle, habe ich mir über die Zeit angewöhnt die Kamera einfach mal stecken zu lassen oder Momente ohne Kamera zu nutzen, um mein Auge zu trainieren. Denn wenn du anfängst dich mit der Fotografie zu beschäftigen, dann fängst du auch an deine Umwelt anders wahrzunehmen. Mit Mal siehst du Motive wo vorher keine waren. Das kann dir im Auto oder in der Bahn auf dem Weg zur Arbeit passieren, beim Sonntagsspaziergang durch den Park oder einfach auf dem Weg zum Einkaufen. Wenn du solche Momente hast, nimm sie bewusst wahr, gib dir einen Augenblick Zeit und überlege wie du das Motiv umsetzen würdest. So kannst du auch dein Wissen über die Kameraeinstellungen trainieren, ohne sie dabei zu haben.

5. Dort wo alle stehen, stehe ich nicht

Eine Sache, die du als Fotografie-Anfänger in Einsteigerkursen lernst, ist der Perspektivwechsel. Damit du Bilder kreierst, die nicht schon 2000 Andere vor die geschossen haben. Jetzt ist es als Fotografie-Anfänger aber so, woher willst du wissen was andere schon vor dir fotografiert haben. Das kannst du zum einen auf Instagram prüfen, denn dort siehst du selbst bei den großen Fotografen immer wieder ähnliche Motive und Orte. Zum anderen sind Touren dafür super geeignet. Du musst nicht direkt nach Bolivien fliegen und die Salar de Uyuni Tour machen, es reicht auch einfach an einer Free Walking Tour in deiner Stadt teilzunehmen. Eines haben die Touren allerdings gemeinsam. Die meisten Touristen stehen alle am gleichen Punkt und machen ein Foto für ihr Fotoalbum. Und das kannst du dir zu Nutze machen. Du siehst wo alle stehen, überlegst dir einen Alternativpunkt und nimmst dort dein Foto auf. Sei dir aber der Gefahr bewusst, dass spätestens zwei Minuten später irgendjemand neben dir steht und dort ebenfalls fotografiert. Das ist mir schon so oft passiert. Scheinbar denken die Leute nur weil man eine professionelle Kamera dabei hat, hat man automatisch mehr Ahnung. Sollte dir das irgendwann zu doof werden, dann erinnere dich an Punkt 3 aus diesem Text und steck die Kamera ein.

6. Beobachte trotzdem was andere machen

Es gibt ja Menschen, die denken, nur weil sie Ahnung von einer Materie haben, müssen sie dir sagen, was du als Beginner falsch machst. Das gilt auch für die Fotografie. Expertenwissen ist gut, allerdings auch gefährlich. Denn es führt dazu deine Sicht auf die Dinge zu beschränken. Anstatt dir also sagen zu lassen, wie man ein Foto nicht zu machen hat oder was du alles beachten solltest, mach dir das Wissen der Unwissenden zu Eigen. Sie haben den Profis gegenüber einen riesigen Vorteil. Sie gehen an das Ganze unbedarft ran und probieren mehr aus. Da können dann eine Menge großartiger Fotos bei rauskommen. Ich hab die Erfahrung auf Reisen immer wieder gemacht, ob beim Salzwüstenfoto in Uyuni, dem Salkantay Trek in Peru oder bei Sonnenuntergangsfotos auf Fiji. Momente gibt es überall auf der Welt. Und falls dir das noch nicht genug ist, dann folge einfach Menschen auf Instagram und lass dich von ihren Bildern und ihrem Bildaufbau inspirieren.

7. Manchmal muss man seine Wegbegleiter rücksichtslos warten lassen

Es gibt Momente da ist soziale Kompetenz definitiv angebracht und dann gibt es Zeitpunkte in denen man sie einfach stecken lassen sollte. Natürlich schärfst du dein Auge mit der schnellen Fotografie (siehe Punkt 1), aber manchmal steht dir einfach jemand im Motiv rum oder du hast so einen Flow, dass sich ein Bild nach dem anderen ergibt. Dass sind die Augenblicke in denen deine Wegbegleiter einfach mal warten müssen. Du solltest es natürlich nicht übertreiben, aber nimm dir die Zeit, die du zum Fotografieren brauchst. Schließlich hast du für dein Abenteuer gezahlt und erlebst es nicht so schnell ein zweites Mal. Ich habe die Erfahrung auf den Touren immer wieder gemacht. Vor allem wenn du Tiere mit ins Bild einbaust. Diese haben, leider wie Menschen auch, die Angewohnheit sich ständig zu bewegen. Dementsprechend muss man schon mal etwas länger in einer unbequemen Position verharren, um das eine gute Foto zu bekommen.