Liebste Ines,
wir sitzen im Flugzeug und stell dir vor, Air Berlin ist geflogen und das sogar pünktlich. Während wir hier so sitzen, eingequetscht wie die Ölsardinien, und ich mir einen Film nach dem anderen anschaue, fühle ich mich wie ein Tourist. Kein Anflug von Weltreisender, ich hab das Gefühl in den Urlaub zu fliegen. So wie all die anderen Passagiere an Bord auch. Das Mädel neben mir beschreibt gerade ein Reisetagebuch und hat Punkte und Sternchen zur Verzierung um das Wort Kuba eingetragen. Neben der Kotztüte hängt ein Zettel mit handgeschriebenen Sightseeing Tipps aus ihrer Ablage. Es soll besser sein erst Pinar del Rio zu machen und danach weiter nach Viñales zu fahren. Gut zu wissen, denn da wollen wir nach unserem Havanna-Aufenthalt auch hin. Ich lenke meine Aufmerksamkeit zurück auf den Film. Denn schlafen kann ich nicht. Ich bin zu aufgedreht. Wie ein Duracell Hase. Das Mädel neben mir weckt erneut mein Interesse. Sie holt gerade ein Din A4 großes Hardcover Schulbuch aus dem Gepäckfach, setzt sich neben mich und beginnt zu blättern. Informationen zur Kuba Krise. Also wir haben ja schon viel Quatsch im Rucksack, aber ein Schulbuch? Naja. Ich lese mir lieber noch mal die Hinweise unserer Sprachschule durch. „Wenn Sie an der Grenzkontrolle befragt werden, dann sagen sie, dass sie Tourist sind, Urlaub machen und in einem Hotel untergebracht sind. Alles andere wirft nur Fragen auf und macht es unnötig kompliziert.“ Auf Kuba will man also das ich Tourist bin. Kann man als Tourist eigentlich richtig entspannen? Oder wie du es sagst – ankommen. Wir sind zwar gelandet, aber angekommen, dass sind wir noch nicht. Ich sag dir Bescheid, wenn es soweit ist.
Die allerschönsten Urlaubsgrüße,
Deine Nicole & Dein Tore