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Thailands Juwelentrick: Wie man Klunker zu Geld macht

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Seite 1: Wie sie versuchten uns falsche Saphire zu verkaufen

Wenn du am Ende drüber lachen kannst, ist alles noch mal gut gegangen. Das konnten meine Familie und ich, denn wir haben kein Geld verloren. Trotzdem passiert es immer wieder, dass Touristen Ersparnisse in den Sand setzen, weil sie Einheimischen zu sehr vertrauen und auf Betrug mit gefälschten Juwelen, überteuerten Anzügen oder inszenierten schwimmenden Märkten reinfallen.

Die Kontaktphase – Der Türsteher am Palast

Wir saßen abends zusammen und mussten uns eines eingestehen: Aus reiner Vertriebssicht haben die Jungs bis zur Präsentationsphase einen verdammt guten Job gemacht. Das war ein Sales Pitch auf höchstem Niveau. Aber der Reihe nach. Wir wollten eigentlich zum Großen Palast in Bangkok gehen und sind am Fährhafen auf Höhe des Wat Pho ausgestiegen. Damit mussten wir, um bis zum Eingangstor des Palastes zu gelangen, um den gesamten Komplex laufen. Am hinteren Ende ist ein Tor geöffnet, das uns als Abkürzung dienen sollte, und genau hier wurden wir abgefangen.

Tuk-Tuk-Fahrt-vom-Großen-Palast-zum-Tempel-in-Bangkok-ThailandEin freundlicher Thailänder kam uns entgegen und wies uns darauf hin, dass der Palast aufgrund einer Zeremonie geschlossen sei. Die Mönche beten derzeit und der Große Palast öffnet erst wieder um 14:30 Uhr. Seine Hilfsbereitschaft ging so weit, dass er uns empfahl, in der Zwischenzeit andere Tempel zu besichtigen. Von der Freundlichkeit überwältig, nahmen wir den Vorschlag dankend an. Da wir keinen Stadtplan dabei hatten, zog er wie aus Zauberhand einen aus der Tasche und zeichnete uns die Tempel des „Weißen Buddha“ und des „Glücklichen Buddha“ ein. Gekrönt wurde seine Herzlichkeit damit, dass er uns half ein Tuk Tuk für einen schier unschlagbaren Preis von 50 Baht pro Person zu bekommen.

Die Informationsphase – Der Verkäufer im Tempel

andächtige-Frau-im-Tempel-des-weißen-Buddha-in-Bangkok-ThailandEine rasante Tuk Tuk Fahrt später kamen wir am ersten Tempel an, in dem wir uns den weißen Buddha ansehen sollten. Schon während des Eintretens viel mir ein Einheimischer auf, der zu beten schien. Wir setzten uns, saugten die Atmosphäre auf und der eben noch betende Einheimische fing ein unscheinbares Gespräch über das Wetter mit uns an. Er stellt sich anschließend als Verkäufer aus Singapur vor. Da er exzellentes Englisch sprach und gebildet wirkte, ging der Dialog relativ schnell weg vom Wetter nach Deutschland.

Anstatt jedoch oberflächlich mit uns über unsere Heimat zu sprechen, besaß dieser Mann Detailwissen, dass ihn vertrauenswürdig erschienen lies. Wenn ich daran denke mit welcher Euphorie er sich mit meinem Bruder über die zweite Bundesliga und Holstein Kiel unterhielt, es war verblüffend. In dem Gespräch lenkte er unsere Aufmerksamkeit allerdings immer wieder auf eine Expo, auf der man echte Juwelen, insbesondere den typischen dunkelblauen thailändischen Saphir, kaufen könne.

Das Besondere sei, dass die Expo nur ein Mal im Jahr und heute der letzte Tag sei. Als Touristen hätten wir die Möglichkeit bis zu drei Saphire in Ringe eingefasst zu kaufen und da wir sie bei Einreise anders versteuern müssen (max. 19 Prozent Mehrwertsteuer) als die großen Juweliere wie Wempe und Christ (+195 Prozent Aufschlag), könnten wir sie gewinnbringend weiter verkaufen.

Untermauert wurde seine Argumentation immer wieder von Beispielen, dass er und ein Freund oder auch andere ihm bekannte Personen, insbesondere ausländische Studenten, damit sehr erfolgreich ein Nebeneinkommen erzielten. Um das Ganze noch echter wirken zu lassen, baute er immer wieder Erinnerungslücken ein, auf die er im Verlauf unserer Unterhaltung zurückkam. So ging das Gespräch eine ganze Weile, bis wir uns verabschiedeten, zurück in die Tuk Tuks stiegen und weiter fuhren.

Phase 3: Die Präsentationsphase - Wie man Ware nicht verkauft

Zu unserer Überraschung hielten wir an der Expo. Wir standen davor, schauten uns an und dachten einer vom anderen, dass er den Tuk Tuk Fahrern bescheid gab bei der Expo zu halten. Das war jedoch nicht der Fall und lies einige Fragezeichen zurück. Ungeachtet dessen gingen wir trotzdem hinein. Der Laden wirkte kleiner als ich ihn mir vorgestellt hatte. Mit Expo verband ich Größeres.

Die Verkäuferin zeigte uns Ringe und führte uns zu einer Auslage, in der ein Saphirring lag, der an den Verlobungsring von Lady Di und jetzt Kate Middleton erinnerte. Die Geschichte erzählte uns bereits der Verkäufer im Tempel. Nichts ahnend wollte ich ein Foto vom Ring im Laden machen, was die Verkäuferin das erste Mal eskalieren lies. Sie meinte, das ginge nicht und zu Hause in Deutschland würden wir das auch nicht machen.

Eine kurze Diskussion später bat mich mein Bruder um mein Handy. Da ich eine thailändische SIM-Karte besaß, wollte er etwas googeln. Während er das tat, stand ich vor einer Vitrine und schaute mir die Silberringe mit Saphiren an. Die Verkäuferin kam ein zweites Mal auf uns zu, fragte ihn was er dort mache und riss ihm fast das Handy aus der Hand. Wir verließen den Laden. Mein Bruder drückte mir das Handy nur mit dem Kommentar: „Ließ dir das einfach mal durch!“ in die Hand. Ich stieg ins Tuk Tuk und lass die Seite während der Fahrt. Es ging um Juwelen Scam in Thailand und dort stand sie – unsere Geschichte – eins zu eins wiedergegeben.

Als wäre das alles noch nicht genug gewesen, hielten wir an einem Geschäft, in dem man maßgeschneiderte Anzüge erwerben konnte. Die Stimmung war bereits gekippt, ich diskutierte mit dem Tuk Tuk Fahrer, dass niemand hier her wollte und er erzählte mir in unsagbar schlechtem Englisch etwas von einem Gutschein für kostenfreies Benzin und das ich jetzt aussteigen müsse.

Den Laden noch nicht ganz betreten, sprangen direkt fünf Verkäufer gleichzeitig auf. Wir sahen uns an, setzen uns auf die leere Stuhlreihe und signalisierten nur, dass wir kein Interesse hätten. Unsere Laune war im Keller. Zu allem Überfluss machte es der Tuk Tuk Fahrer noch schlimmer. Mein Bruder versuchte vor die Tür zugehen, doch der Fahrer dirigierte ihn direkt mit dem Kommentar zurück, dass er sonst seinen Gratistankgutschein nicht bekommen würde.

Wir saßen also weitere zehn Minuten in dem Laden fest und bekamen glücklicherweise etwas zu trinken. Während wir unsere Lebenszeit in einer Schneiderei verbrachten, betraten schon die nächsten Opfer das Geschäft. Wie sich herausstellte, waren es ebenfalls Deutsche und wir mussten allesamt feststellen, dass das ein sinnloser Einkauf für uns sei. Denn zurück in Deutschland würde niemand von uns einen Anzug zur Arbeit tragen und für die zwei Mal im Jahr, die man ihn doch bräuchte, macht die Investition keinen Sinn.

Phase 4: Die Abschlussphase – Der Tuk Tuk Fahrer am Tempel

Befreit traten wir aus dem Anzuggeschäft. Zurück im Tuk Tuk fuhren wir noch bis zum nächsten Tempel. Dort endete die Fahrt. Erneut diskutierte ich mit dem Tuk Tuk Fahrer, dass wir bis zum Großen Palast gebracht werden sollen. Er wies mich jedoch darauf hin, dass er entschieden hatte, dass die Fahrt zu Ende sei. Genervt vom Diskutieren gaben wir ihm die 200 Baht, gingen zum Tempel, stellten fest, dass unsere Lust auf Sightseeing gerade vergangen war, und versuchten ein Taxi zu bekommen.

Doch wie es in solchen Momenten immer ist, wenn du ein Taxi brauchst, ist keines da. Wir liefen also ein Stück Richtung Hauptstraße, und nachdem der einzige Taxifahrer, der anhielt, so tat als würde er den Großen Palast nicht kennen, um uns wieder abzuziehen, rief ich ein Taxi über Grab. Wir fuhren zurück zum Palast, entschieden doch noch den Wat Pho zu besichtigen und die Imposanz des liegenden Buddhas sorgte schlussendlich dafür, dass wir den Tag entspannt beendeten.

Die Analyse – Wie zieht man einen Touristen ab

Der Tag hätte auch anders enden können, denn als wir abends zusammensaßen und alles Revue passieren ließen, erzählte mein Bruder noch eine Geschichte, die er online gelesen hatte. Dabei beschrieb ein Amerikaner, wie er auf den Trick herein fiel und drei Ringe im Wert von 3000 Dollar kaufte. Zurück in den USA ließ er diese vor dem Weiterverkauf vom Fachmann prüfen. Ernüchternde Erkenntnis: der gesamte Schmuck war gerade 200 Dollar wert. 2800 Dollar Verlustgeschäft tun schon weh. Doch was dem einen sein Verlust ist, ist dem anderen sein Gewinn.

Aus Verkaufssicht haben auch bei unserem Betrug, die Kontaktaufnahme und die Informationsphase gesessen. Vor allem Letztere war Touristen-Scam auf höchstem Niveau. So viel Spezialwissen über ein Land, eine herausragende schauspielerische Leistung und extrem gutes Englisch ließen keinen Zweifel aufkommen. Im Nachgang betrachtet, glaube ich, dass sie für jedes Land einen Spezialisten haben. Denn das erste Mal fragen sie dich bei der Kontaktaufnahme nach deinem Herkunftsland. Und während der Tuk Tuk Fahrt ist ausreichend Zeit den richtigen Verkäufer in den Tempel zusetzen.

Betrachtet man dafür die Präsentations- und Abschlussphase, hätten sie nicht schlechter arbeiten können. Die Eskalation der Verkäuferin in der Expo war vollkommen unangebracht, der anschließende Stopp an der Schneiderei überflüssig und die Tuk Tuk Fahrer mit erkennen des Nicht-Abschlusses extrem unfreundlich. Wäre ich als Vertrieblerin mit jedem nicht kaufenden Kunden so umgegangen, hätte ich keinen Job mehr. Die Kunst besteht darin auch bei Absagen freundlich und professionell zu bleiben, denn der Eindruck fällt immer aufs ganze Unternehmen und in diesem Fall aufs Land zurück.

Doch vielleicht ist genau das die Masche. Das Geschäft ist hochprofessionell und jeder hat seine Rolle. Zwei Tage später waren wir erneut am Palast und nachdem wir uns aufgrund des Preises dagegen entschieden hinein zu gehen, schauten wir uns im Vorbeigehen das Schauspiel genauer an.

Alles ist perfekt eingeübt. Der Kontaktmann und die Tuk Tuk Fahrer warten auf der gegenüberliegenden Straßenseite des Palastes. Sobald sie ein Opfer ausgemacht haben, bringen sie sich in Position und nehmen ihre Rollen ein. Es ist ein brilliant inszeniertes Drama. Tag ein, Tag aus. Ich hoffe, ihr werdet nicht teil dieser Show.

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