Die erste Woche arbeitslos – ich geh in der Dusche sterben

2 comments

#Wir

Es ist 9.30 Uhr. Der Himmel grau. Wir liegen noch im Bett. Tore nur, weil er nicht möchte, dass ich alleine bleibe. Fünf Minuten später steht er auf. Ich nehme das Handy in die Hand. Whatsapp. Alter Team Gruppenchat. Du wurdest aus der Gruppe entfernt. Steht da. Ich existiere nicht mehr. 14 Tage weg von der Arbeit, seit einer Woche arbeitslos, schon ausradiert.

#Lebenselixier

Heute ist ein Brötchentag. Ich ziehe mich an. Schlurfe verschlafen in die Küche. Setzte Kaffee auf. Ohne geht nicht. Lebenselixier. Aber nur wenn er gut ist. Ich geh Brötchen holen, sage ich zu Tore. Küche. Haushaltskasse. 1.20 Euro. Reicht. Pass auf den Kaffee auf. Ja. Ich warte. Tore kommt. Zeit für Brötchen.

#Frühstücken

An das Gesicht der Kassiererin erinnere ich mich nicht mehr. Ich bin morgens, vor dem ersten Kaffee, zu nichts zu gebrauchen. Der ist schon fertig. Genauso wie das Müsli mit Erdbeeren. Tore hackt Nüsse. Schneiden wohl eher. Ein größeres Messer hast du nicht gefunden. Naja ein Gemüsemesser ist vielseitig einsetzbar. Und Nüsse sind auch irgendwie Gemüse.

#Arbeitsamt

Auf dem Frühstückstisch liegt neben mir die Einladung vom Arbeitsamt. Wie ein Mahnmal. Kam gestern. Man möchte mit mir über meine berufliche Situation sprechen. Am 24. August. 13 Uhr. Da bin ich auf Kuba, denke ich mir. Warum bekomme ich so einen Brief? Prüfe den Sachbearbeiter. Schon wieder ein Neuer. Noch mal erklären was Sache ist. Na toll. Seite 2. Zum Glück. Ich kann auch absagen. Werde ich tun.

#Nervenzucken

Ich bin müde. Gestresst. Beim Frühstück zucke ich mehrfach. Die Nerven. Tore ist voller Tatendrang. Ich will nur wieder ins Bett. Du kannst ja deine Daten endlich auf die Festplatte ziehen. Mache ich. Sag ich. Räume den Tisch ab. Stelle dreckiges Geschirr in den Geschirrspüler. Wische den Küchentisch ab. Nehme den Mac und die Festplatte. Schlurfe ins Schlafzimmer. Schmeiß mich aufs Bett. Checke Instagram auf dem Handy. Viel zu oft in letzter Zeit. Tore kommt. Entspann dich. Drückt mir ein Buch in die Hand. Das ist das Einzige was dich entspannt. Ich fange an zu lesen.

#Kreuzfahrt

Ich angele mit den Protagonisten Raketen. Manche von ihnen sterben viel zu früh. Andere vergeuden ihr Leben betrunken auf der Couch. Schlafend in ihrer eigenen Kotze. Sie sterben nicht. Eine andere arbeitet auf einem Kreuzfahrtschiff. Mein Schiff. Hab ich auch mal verkauft. Lang ist es her. Für manche die große Urlaubshoffnung im Jahr. Für andere die Hoffnung auf ein neues, besseres Leben. Für sich. Für die eigene Familie. Für Luxus. Was ist eigentlich Luxus? Wenn du ihn nicht hast, willst du ihn. Wenn du ihn dir leisten kannst, brauchst du ihn nicht.

#Luxus

Ein neues Handy. Das brauchen wir schon. Tore braucht eins. Es wurde gerade geliefert. Das alte hat er am Wochenende geschrottet. Beim Fotowalk. Eigentlich war es ein anderer dicker Fotograf. Der plump drauf gelatscht ist. Wer hat Schuld? Keine Ahnung. Jetzt ist das neue Handy da. Dual-Sim. Dual-Kamera. Dual-Alles. Von LG. Mit Adapter. Für den deutschen Markt gibt es das nicht. Es lebe die Mobilfunkindustrie. Man könnte Geld verlieren. Ich geh weiterlesen.

#Instagram

Sie ist nicht aufs Schiff zurückgekehrt. Hmm. Werden wir von der Weltreise zurück kommen. Ich stehe auf. Streife die Küche. Tore meldet sich bei Instagram an. Drei Likes. Zwei neue Follower. Was für eine Begrüßung. Er war vier Tage offline. Hat 20 Follower verloren. In den letzten zwei Tagen kamen dafür 30 neue dazu. Ich zieh eine Schnute. Schau ihn an. Ich geh in der Dusche sterben. Folgen. Liken. Folgen. Folgen. Liken. Liken. Kommentieren. Bilder posten. Hab ich gerade keine Nerven für. Ich geh in der Dusche sterben.

#Feelgood

Ich schleiche in die Küche zurück. Hole die Anker-Box. Die ist noch an. Wer hat die angelassen? Na wer wohl. Pfff. Ladekabel. Steckdose. Lautsprecher an. Bluetooth aktiviert. Spotify auf. Feelgood Pop. Warmes Wasser prasselt auf mich. Ich habe Muskelkater. Merke den Sport von gestern. War gut. Notwendig. Jetzt tut alles weh. Shampoo. Seife. Ich glaube ich hab die Tür geschlossen. Eine Dunstwolke hängt über mir. Ich habe die Tür geschlossen. Abgeduscht tanze ich noch eine runde zu Attention. Von Charlie Puth.

#Schlabberlook

Tore wischt mir über den Bauch. Verzieht das Gesicht. Frisch eingecremt. Schmiert es am Oberschenkel ab. Noch mehr Creme. Wade. Keine Chance. Nimm den Po. Wir lachen. Ich zieh mich zu Ende an. Heute ist Schlabberlook Tag. 10 Jahre altes T-Shirt. Jogginghose. Schnapp mir den Laptop und die Festplatte. Stoße gegen die Kleiderschranktür. Große Augen schauen mich verwundert an. Was? Tore schmunzelt. Zum Glück ist die Festplatte stoßfest, denke ich. Tollpatsch eben.

#Arbeitslos

Zeit zum Festplatte formatieren. Die will wissen, wie viel Prozent für einen Datenaustausch zwischen meinem Mac-Rechner und anderen Betriebssystemen verfügbar sein sollen. Tore. Ich brauche dein Gehirn. In der Küche. Ok. Gib mir die Festplatte. Ich teste sie bei mir. Warum? Warum nicht? Ich wollte doch nur kurz meine Festplatte formatieren. Zeit ein Blogbeitrag zu schreiben. Mit Feelgood Pop. Erste Woche arbeitslos.

 

Spotify-Playlist Feelgood Pop

2 comments on “Die erste Woche arbeitslos – ich geh in der Dusche sterben”

  1. Nicht traurig sein! Du existierst für uns auch, wenn Du nicht mehr in der Gruppe bist. Und in einem Jahr wirst Du der Gruppe ja wieder hinzugefügt 🙂

Comments are closed.